Rot-Grün-Schwäche – Was kann man 2020 dagegen tun?

Was ist eine Rot-Grün-Schwäche?

Die Rot-Grün-Schwäche gehört zur Gruppe der Augenerkrankungen, konkret zu den Farbsinnstörungen. Betroffene einer Rot-Grün-Schwäche sind nicht dazu in der Lage, zwischen den Farben Rot und Grün zu unterscheiden. Deshalb wird die Sehschwäche im alltäglichen Sprachgebrauch oft Rot-Grün-Blindheit genannt.

Aus medizinischer Sicht ist diese Auffassung jedoch nicht korrekt:

Die Ophthalmologie differenziert zwischen einer leichtgradigen Farbsehschwäche und einem vollkommenen Unvermögen, rote oder grüne Schattierungen richtig zu erkennen. Bei einer Rot-Grün-Schwäche können die Patienten Rot und Grün hingegen noch leidlich auseinanderhalten. Im Fall einer ausgeprägten Rot-Grün-Blindheit ist ihnen selbst eine leichte Unterscheidung überhaupt nicht mehr möglich. 

Das sollten Sie unbedingt über eine Rot-Grün-Schwäche wissen:

  • Die Sehschwäche beeinflusst nicht notwendigerweise das generelle Sehvermögen. Ein Patient kann daher bei gleichzeitiger Rot-Grün-Schwäche trotzdem eine stabile Sehschärfe besitzen.
  • In Bezug auf das Geschlechterverhältnis leiden mehr Männer als Frauen unter einer Rot-Grün-Sehschwäche. Bei der weiblichen Bevölkerung sind es nur 0,8 Prozent, während sich der Wert bei der männlichen Vergleichsgruppe auf etwa 9 Prozent beläuft. 
  • Mitunter tritt die Rot-Grün-Schwäche auf nur einem der beiden Augen auf. Darüber hinaus sehen einige Betroffene bräunlich-graue Farbverläufe anstelle von Rot und Grün. Andere nehmen stattdessen gelbe beziehungsweise blaue Nuancen wahr. 
  • Eine Rot-Grün-Schwäche entsteht nicht im Laufe des Lebens, sondern ist immer genetisch bedingt. Sie begleitet den Patienten dauerhaft und lässt sich weder ursächlich therapieren noch rückgängig machen. 

Wie funktioniert der Rot-Grün-Schwäche Test?

Vielfach erhalten die Patienten ihre Diagnose schon im Kindesalter. Bis zu einem gewissen Alter empfinden sie ihre Sehschwäche im Alltag noch nicht als Abweichung des Normalen. Die Fehlsichtigkeit ist angeboren, deshalb hat sie der Betroffene unbewusst in seinen Tagesablauf integriert. 

Bei Kindern bemerkt üblicherweise das direkte Umfeld (Angehörige, Lehrer etc.) die Rot-Grün-Schwäche. Vor allem jüngere Kinder benutzen beim Malen falsche Farben, sodass sie eine gezeichnete Rose zum Beispiel in Blau oder eben auch in Grün ausmalen. Erst dann wird die Fehlsichtigkeit für Außenstehende offenbar.

Wird eine Rot-Grün-Schwäche vermutet, sollte man einen Augenarzt aufsuchen. Er führt entsprechende Tests durch, um die Sehschwäche diagnostizieren zu können. In der Regel erfolgt der Sehtest mithilfe der speziellen Ishihara-Tafeln. Auf ihnen ist eine Zahl zu sehen, die sich aus einzelnen farbigen Punkten zusammensetzt. Bei einer roten Ziffer ist der Hintergrund grün gehalten, während grüne Zahlen vor einer rot gepunkteten Fläche dargestellt werden. Derselbe Effekt lässt sich mit einem roten/grünen Begriff (z.B. ‚Auge‘) erzielen. 

Eine Testperson mit normaler Sicht kann die jeweilige Zahl oder das Wort problemlos lesen. Einem Betroffenen fällt die richtige Differenzierung erheblich schwerer. Statt Rot oder Grün sieht er gräuliche Kolorationen. Je nach Ausprägung der Sehschwäche erscheinen sie ihm unterschiedlich dunkel. Bei einer Rot-Grün-Blindheit sehen die Grautöne allesamt fast einheitlich aus. Kann der Patient die Zahlenfolge nicht lesen, hat sich die Vermutung einer Rot-Grün-Schwäche bestätigt. 

Alternativ wird der Patient vom Facharzt gebeten, farbige Knöpfe in einer vorgegebenen Reihenfolge zu platzieren. Aufgrund ihrer Sehschwäche legen Betroffene mit den Knöpfen eine farblich abweichende Reihe. An den Abweichungen kann der individuelle Schweregrad ermittelt werden. Nach Bedarf lassen sich verschiedene Untersuchungsansätze miteinander verbinden. Mehrere durchgeführte Tests ermöglichen eine besonders valide Diagnose. 

Kann eine Rot-Grün-Schwäche vererbt werden?

Die Rot-Grün-Schwäche wird durch fehlerhafte Proteine in den Netzhautzapfen hervorgerufen und x-chromosomal rezessiv weitervererbt. Dasselbe gilt sowohl für die Rot-Grün-Blindheit als auch für alle weiteren Farbfehlsichtigkeiten. Aus diesem Grund liegt der Defekt bereits zum Zeitpunkt der Geburt vor. Im Gegensatz zu anderen Augenleiden geht der Zustand über die Jahre hinweg nicht zurück, sondern bleibt konstant bestehen. 

Bei zwei rot-grün-schwachen Elternteilen würde das Risiko einer Übertragung annährend 100 Prozent betragen. Da Frauen aber wesentlich seltener an der Sehschwäche erkranken, ist überwiegend nur das zweite X-Chromosom Träger des Proteinfehlers. Deshalb gilt die Konstellation von zwei betroffenen Eltern eher als Ausnahme. Jedoch können weibliche Personen zwei fehlerhafte X-Chromosom in sich tragen, ohne selbst an der Sehschwäche zu leiden. Sogar bei zwei nicht betroffenen Eltern mit unerkanntem Chromosomendefekt muss man von einer erbliche Übertragung an ihre Kinder ausgehen. Frauen mit nur einem fehlerhaften Chromosom können die Farbschwäche nicht übertragen.  

Auch im Zuge einer Diagnose spielt die familiäre Vorbelastung eine entscheidende Rolle. Risikopatienten sollten sich in ihrem Verwandtenkreis nach Betroffenen erkundigen. Das Vorhandensein bzw. die Anzahl an Fällen von Rot-Grün-Schwäche kann Aufschluss auf den eigenen Krankheitsverlauf geben. 

Brillen gegen Rot-Grün-Schwäche?

Eine Brille kann die Augen als Sehhilfe korrigieren. Als Abhilfe gegen die Rot-Grün-Schwäche lässt sie sich wiederum nicht verwenden. Brillen werden vom Augenarzt/Optiker als Mittel gegen eine schlechte Sehschärfe verordnet. 

So war jedenfalls der Stand bis vor einigen Jahren. Inzwischen haben Wissenschaftler eine Brille entwickelt, mit der die klassischen Symptome abgemildert werden können. Allerdings hilft sie ausschließlich gegen eine Rot-Grün-Schwäche, nicht etwa gegen Farbblindheit. Die Gläser filtrieren einfallendes Licht mittels UV-Filter. Gelbliche Farben werden nun als Rot und/oder Grün gesehen. Ohne die Sehhilfe könnten Patienten ihre Umwelt nach wie vor nur als blau-gelb wahrnehmen. Mit der Brille wird ihre Sicht deutlich kontrastreicher. Mittlerweile sind zudem entsprechende Kontaktlinsen mit einer vergleichbaren Wirkung erhältlich. 

Zunächst muss sich der Träger an die bislang ungewohnten optischen Reize gewöhnen. Je nach Einzelfall kann die Zeitspanne etwas länger andauern oder schnell überwunden sein. Nach der Umstellung werden sowohl rote als auch grüne Farbnuancen in ihren Eigenschaften klar erkannt. 

Rot-Grün-Schwäche: Welche Berufe kann man nicht ausüben?

Betroffene dürfen nur dann in bestimmten Berufsfeldern arbeiten, sofern sie von einem Gutachter als tauglich erachtet wurden. Darunter fallen Tätigkeiten im Straßenverkehr. Folglich können Mitglieder der Patientengruppe unter Umständen als Lokführer, Polizist, Taxi-/Busfahrer oder auch Pilot ihr Geld verdienen. Die spezielle Rot-Grün-Brille sollte beim Ausüben solcher Jobs unbedingt benutzt werden, wenn der Betroffene über ein solches Modell verfügt. Dann bereitet das Klassifizieren beider Farben im Beruf keine Schwierigkeiten. 

Laut einer Umfrage empfindet ein Großteil der rot-grün-schwachen beziehungsweise rot-grün-blinden Personen ihren Sehfehler im Alltag kaum als Belastung. Dennoch bewerten sie den Gebrauch bestimmter Medien oftmals als problematisch. Primär trifft diese Schwierigkeit auf gedruckte Erzeugnisse sowie auf den Verkehr in der virtuellen Welt zu. Nur wenige Anbieter haben ihre Technik den rot-grün-schwachen Nutzern korrekt angepasst. In der Hinsicht besteht zum Teil noch Modernisierungsbedarf. 

Wie viele Menschen in Deutschland haben eine Rot-Grün-Schwäche?
Insgesamt liegt bei 9 Prozent des männlichen sowie bei 0,8 Prozent des weiblichen Bevölkerungsanteils eine Rot-Grün-Schwäche vor, wie bereits zuvor angemerkt. Im Vergleich ist die Wahrscheinlichkeit einer Rot-Grün-Blindheit oder einer Gelb-Blau-Schwäche mit einem Verhältnis von 1:100.000 deutlich geringer. Somit kommt die Rot-Grün-Schwäche unter den Farbsinnstörungen mit Abstand am häufigsten vor. Statistiken zufolge gehen 99 Prozent von ihnen auf eine Rot-Grün-Schwäche zurück. 

Kann man eine Rot-Grün-Schwäche operieren?

Leider wurde bislang noch keine adäquate Behandlungsmöglichkeit gegen die Sehschwäche gefunden. Daher lässt sie sich auch nicht mit einem operativen Eingriff beheben. 

Welche anderen Farbenblindheiten gibt es noch?

Neben der Rot-Grün-Schwäche sind in der Augenheilkunde die Gelb-Blau-Schwäche sowie die völlige Farbenblindheit (Achromasie) bekannt. Des weiteren gibt es Fälle einer Blau-Schwäche, welche prozentual einen sehr seltenen Stellenwert einnimmt. 

Gelb-Blau-Schwäche ähnlich wie rot-grün-Sehschwäche

Bei der Gelb-Blau-Schwäche sind die Symptome annähernd deckungsgleich. Betroffene können gelbe sowie blaue Farben nicht hinreichend voneinander trennen. Im Fall einer Gelb-Blau-Blindheit erscheinen ihnen die Kolorationen grau schattiert. Für farbenblinde Personen sehen alle Farben durchweg monochrom aus. Sie nehmen ihr Umfeld als schwarz-weiß gefärbt wahr. Die Merkmale einer Blau-Schwäche sind vermutlich ebenfalls selbsterklärend. Hier ist die Fehlsichtigkeit nur auf blaue Farbverläufe limitiert. Alle anderen Nuancen werden vom Betroffenen wiederum korrekt eingeordnet.  

Im Rahmen einer Untersuchung würde der Augenarzt dieselben Testmethoden anwenden wie bei der Rot-Grün-Schwäche. Ferner ist den auch übrigen Farbenblindheiten eine genetische Komponente zu Eigen. Mit ihnen muss der Betroffene leben können. Therapien mit langfristiger Wirkung gibt es keine. Da achromatische Patienten einzelne Farben schlichtweg nicht kennen, stellt die Sehschwäche für sie meistens jedoch keinen Leidensdruck dar.