Prismenbrille (Winkelfehlsichtigkeit) ᐅ Prismengläser Guide 2020

Was ist eine Prismenbrille?

Ein Prisma kann man auf verschiedene Art und Weise im Bereich der Brillentechnik einsetzen, zum Beispiel als Dispersionsprisma (Dispersion=Zerstreuung) für die Korrektur einer Winkelfehlsichtigkeit (Heterophie) bei einem angeborenem Schielen. Ein anderer An-wendungsfall ist das Umlenken von Lichtstrahlen durch sogenannte Reflexionsprismen, das z.B. in Spezialbrillen für Bergsteiger angewendet werden.

Wie funktioniert eine Prismenbrille?

Dispersionsprismen brechen das Licht als Funktion der enthaltenden Wellenlängen, sie lenken den Lichtstrahl so um, daß sich an der Austrittsfläche Farbsäume bilden, wobei die Abweichung des Lichtstrahles von  seiner Hauptachse in cm/m angegeben wird. Diesen Effekt macht man sich bei der Korrektur eine Winkelfehlsichtigkeit (z.B. Schielen) zu nutze und lenkt die Strahlen durch das eingearbeitete Winkelprisma direkt auf die Netzhautbereiche des Auges, wo sich die Abweichung befindet und sich so die Synchronizität beider Augen wieder herstellen lässt, da beide Einzelbilder zu einem 3D-Bild zusammengefügt werden. Prismatische Brillengläser enthalten neben ihren Korrektionswerten der Fehlsichtigkeit noch einen seitlichen Prismenteil, welcher an seiner Basis dicker ist und im Gegensatz zu Planprismen eine leichte Krümmung aufweist, um  entstehende Abbildungsfehler zu verringern.

Wer braucht eine Prismenbrille?

Eine Prismenbrille braucht vorwiegend ein Betroffener, der beim Sehen einen Winkelfehler aufweist, was bedeutet, dass das einfallende Licht nicht exakt auf die Netzhaut fällt, sondern durch einen optischen Defekt (Schielen, Deformation der Linse, Netzhautstörung u.a.) eine Winkelablenkung erfährt.

Diesen Winkelfehler kann ein eingearbeitet Prisma in das Brillenglas kompensieren, wenn sich eine Korrektur der Abweichung nicht durch eine Dezentrierung des Brillenglases erreichen lässt und das Prisma selbst nicht über 2,0 cm/m

stark ist. Für die Dezentrierung der Hauptachse gilt, daß für 1,0 cm/m die optische Wirkung des Glases um 0,33 mm entgegengesetzt dezentriert werden muss. Das bedeutet, daß eine Prismenwirkung pro 3,0 cm/m ein Brillenglas um 1,0 mm entgegen seiner Hauptachse verschoben werden muss. Die Folge ist, daß schon bei geringen primatischen Wirkungen der Glasdurchmesser größer wird, was zu mehr Gewicht und dickeren Gläsern führt. Ebenso wird die Abbildungsqualität etwas geringer, was wiederum bei der Berechnung berücksichtigt werden muss.

Eine andere Funktion bei Prismenbrillen ist die Funktion der Strahlumlenkung, in der Regel zwischen 90° und 60°.  Solche Prismenbrillen benutzen Bergsteiger, um sich ohne den Kopf ständig heben zu müssen, auch beim Geradeausschauen über die Situation über ihnen, oder sich im umgekehrten Fall, unter ihren Füssen zu informieren.

Wie werden die Werte einer Prismenbrille ermittelt?

Zunächst werden die objektiven und subjektiven Korrekturwerte durch eine Refraktions-bestimmung ermittelt, die alle Werte einer vorliegenden Fehlsichtigkeit erfasst. Ein Test auf eine etwaige Winkelfehlsichtigkeit (Heterophorie) schließt sich an, der zumeist durch das wechselseitige Abdecken der Augen geschieht und mit unterschiedlichen Konfigura-tionen getestet wird, bis eine prismatische Korrektion in der Art erfolgt ist, dass der Betreffende  keine Doppelbilder mehr wahrnehmen kann, die  Beschwerden verursachen könnten.

Vorteile von Prismenbrille

Der Vorteil einer Prismenbrille ist die Entlastung der Augenmuskulatur bei einer Winkelfehlsichtigkeit (Heterophorie), da die  Lichtstrahlen durch das Prisma wieder korrekt auf die Netzhaut gelenkt werden, wodurch keine Doppelbilder mehr entstehen. Gerade bei schielenden Kindern ist die Korrektur durch eine Prismenbrille vorteilig, da sich ansonsten ein funktionelles, einäugiges Sehen (Amblyopie) entwickeln könnte.

Nachteile von Prismenbrillen

Eine Prismenbrille hat auch gewisse Nachteile, z.B. wenn der Prismenwert über 5,0 cm/m liegen würde, die Ränder würden zu dick und zu schwer werden, was das Tragen und die Gewöhnung an die Prismenbrille erschweren würde, von der Ästhetik ganz zu schwei-gen! Ebenso gibt es keine Garantie, dass noch eine Nachkorrektur notwendig wird, wobei es auch passieren kann, daß nach einigen Monaten das Prisma erneut im Wert verstärkt werden müsste.

Fehlsichtigkeiten mit Prismen korrigieren

Allgemein ist festgestellt, daß Prismen für alle Korrekturen von Fehlsichtigkeiten anwendbar sind, dass betrifft auch Einstärken-, Mehrstärken-, und Gleitsichtbrillen. Bei Gleitsichtgläsern liegt die technische Realisierungsmöglichkeit für die Anfertigung eines Prismenglases bei 8,0 cm/m. Ebenfalls verschiebt sich für die jeweiligen Sehzonen die Achsenlage etwas zur Basislage, mit der Folge einer geringen Verschlechterung in die Ferne oder auch für das Sehen von Gegenständen in der Nähe. Das gilt jedoch nur für Standard-Gleitsichtbrillen,  für individuell optimierte Gleitsichtgläser gilt dieses nicht, da hier technologisch bessere  Fertigungsmöglichkeiten angewendet werden.

Prismenbrillen im Brillenpass finden

Im Brillenpass findet man die Werte, die für das Prisma relevant sind, wie PR= Prisma und BA= Basis.

Was kosten Prismenbrillen und wie ist ihre  Verträglichkeit?

Die Gesetzlichen Krankenkassen zahlen einheitliche Festbeträge für  Gläser zwischen 10 EUR  bis  110 EUR, oder man vereinbart eine Zusatzversicherung, wo bis zu 200 EUR er-stattet werden können.  Brillenfassungen werden nicht erstattet, jedoch die Kosten für die Augenuntersuchungen werden, bis auf Spezialuntersuchungen (Glaukom, Katarakt u.a., IGEL-Leistungen) zu 100 % von den Kassen übernommen.

Prismenbrillen bedürfen einer individuellen Eingewöhnungszeit, da die räumlichen Ein-drücke ziemlich verändert sind, wie z.B. beim Treppensteigen nach unten. Hier hat der Brillenträger einer Prismenbrille oft das Gefühl er tritt in eine Senke, oder glaubt das Glas vor ihm zu fassen, was aber noch etwas weiter weg ist. Ebenso können leichte Kopf-schmerzen auftreten und daher sollte man eine Prismenbrille zum Autofahren erst nach einer Eingewöhnungzeit benutzen, wonach sich die gewohnte Orientierung wieder problemlos einstellt. Sollten Sehprobleme längere Zeit anhalten, so ist der Optiker der richtige Ansprechpartner, der eventuell noch eine Nachkorrektur vornehmen kann, die diese Probleme beheben.

Bei Brillen, die ausschließlich zur Behandlung und Behebung von angeborenen Augenerkrankungen oder Augenverletzungen dienen, z.B. wegen Schielen (Strabismus) über-nehmen die Krankenkassen auch die Kosten für Prismenbrillen, die ärztlich verordnet sind und mindestens 3,0 cm/m Basislage horizontal sowie 1,0 cm/m vertikale Höhenlage als Winkelfehler aufweisen. Sie fallen unter die Rubrik therapeutische Sehhilfen.