Selbsttönende Brillengläser Ratgeber: Funktion & Preise

Selbsttönende Brillengläser: Normale und Sonnenbrille in einem 

In den 1960er Jahren gelang den US-amerikanischen Wissenschaftlern Stanley Donald Stookey und William Armistead eine bemerkenswerte Entdeckung. Sie konnten ein Glas entwickeln, das sich durch UV-Strahlung verfärbte. Die Grundlage für selbsttönende Brillengläser war gelegt. Diese lösen das Problem, dass jeder Brillenträger kennt: die Notwendigkeit zwischen normaler und Sonnenbrille zu wechseln. 

Das sollten Sie unbedingt über selbsttönende Brillengläser wissen:

  • Unter Einfluss der UV-Strahlen der Sonne verdunkeln sich die Gläser innerhalb von 15 bis 30 Sekunden. Fällt die Strahlung weg, hellen sie sich in 5 bis 10 Minuten wieder auf (z.B. betreten eines Raumes).
  • Es ist nicht empfehlenswert, eine selbsttönende Brille als Ersatz für eine Sonnenbrille tagsüber für Autofahrten zu verwenden. Nachts kann die Brille problemlos genutzt werden.
  • Selbsttönende Brillengläser können bei einer Sehstärke (Dioptrien) von 0 bis +-12 verwendet werden
  • Selbsttönende Brillengläser kosten zwischen 100 und 200 Euro. Gleitsichtgläser sind durchschnittlich 30 Prozent teurer als Einstärkengläser. 

Schutz gegen UV-Strahlung: Der angenehme Effekt selbsttönender Gläser

Die Sonne gibt eine natürliche ultraviolette Strahlung (UV-Strahlung) ab, die für den Menschen unsichtbar ist, aber erhebliche gesundheitliche Konsequenzen haben kann. Die Strahlen dringen in die Zellen von Haut und Augen ein. Hier zerstören die Strahlen das Erbgut und können Mutationen hervorrufen. Eine zu intensive UV-Strahlung auf der Haut kann zu Krebs führen. UV-Strahlen, die zu lange auf ungeschützte Augen einwirken, lassen den Menschen erblinden. Der Schutz der Haut ist einfach: Sonnencreme verhindert die negativen Einflüsse der Strahlen. Die Augen sind nicht ganz so leicht zu schützen. Selbsttönendes Glas hat einen für dieses Problem angenehmen Nebeneffekt: UV-Strahlen werden zu 100 Prozent abgeblockt. Entsprechende Brillen schützen deshalb die Augen vor allen negativen Konsequenzen der Sonnenstrahlung.

Wie funktionieren selbsttönende Brillengläser?

Die Gläser sind phototropen. Dieser griechische Ausdruck bedeutet lichtwendig – konkret bedeutet dies, dass UV-Strahlen der Sonne einen chemischen Prozess in Gang setzen, der dafür sorgt, dass sich die Gläser automatisch abdunkeln. Damit die Verdunkelung bleibt, müssen fortwährend UV-Strahlen auf die Gläser einwirken. Wenn Sie also wieder ins Haus gehen oder im Schatten unter einem Dach Platz nehmen, hellt sich die Brille von selbst auf. 

Vorteile der chemischen Reaktion

Die chemische Reaktion bei selbsttönenden Brillengläsern ist aus mehreren Gründen vorteilhaft: Es muss keine festgesetzte Temperatur erreicht werden. Es ist zudem nicht nötig, eine spezielle Folie oder Harzschicht in das Glas zu integrieren, wodurch die Kosten deutlich steigen würden. Selbsttönende Fenster oder Autoscheiben verlangen dies beispielsweise. Die Tönung für die chemische Reaktion liegt dagegen außen auf dem Glas auf. Überdies können sich die Brillengläser nicht versehentlich verdunkeln. Sie reagieren nur auf natürliche UV-Strahlen. Zimmerlicht und eine aufgeheizte Wohnung haben keinen Einfluss auf die Gläser. 

Zu erwähnen ist allerdings ein Phänomen im Winter:

  • Einige selbsttönende Gläser sind kältefühlig. Die Kombination aus der intensiven UV-Strahlung durch die tiefstehende Sonne sowie die geringen Temperaturen führt dazu, dass sich die Gläser ausgesprochen stark abdunkeln können. 

Tönung der Gläser ist unerlässlich

Selbsttönende Gläser für eine Brille müssen eine Tönung haben, um die chemische Reaktion in Gang zu setzen. Diese kann sowohl braun wie auch grau sein. Gänzlich unverwechselbar mit einer normalen Brille ist ein nicht abgedunkeltes, selbsttönendes Modell also nicht. Die verfügbaren Tönungen beginnen allerdings bereits bei 5 Prozent (fast nicht sichtbar). Sie können also eine nur dezente Tönung wählen. Allerdings gilt: Je umfangreicher die Tönung, desto besser der Lichtschutz. 

Vorteile und Nachteile einer selbsttönenden Brille:

Vorteile

  • Nur eine Brille für drinnen und draußen 
  • Hoher Tragekomfort 
  • Automatisches Abdunkeln und Aufhellen 
  • UV-Schutz – erfüllt jede EU-Norm
  • Entlastung für die Augen durch schnelle Anpassung an die Lichtverhältnisse 
  • Auch als Gleitsichtbrille verfügbar

Nachteile 

  • Für das Autofahren nicht empfohlen 
  • Kostspieliger als normale Brillengläser
  • Im Winter verdunkeln sich die Gläser eventuell zu stark ab 

Reaktionszeiten: Wie schnell dunkeln sich selbsttönende Gläser ab und hellen sich auf?

In einigen Ratgebern werden die Reaktionszeiten von automatisch tönenden Gläsern als Vorteil genannt. Das schmerzhafte Zusammenkneifen der Augen bei plötzlicher Sonneneinstrahlung entfalle, wird beispielsweise genannt. Dies ist so allerdings nicht ganz richtig: Die Reaktionszeiten sind zwar kurz, aber nicht derart kurz. Die Brillengläser dunkeln sich innerhalb von 15 bis 30 Sekunden ab. Fällt die UV-Strahlung weg, hellen sie sich in 5 bis 10 Minuten wieder auf. Diese Zeitfenster müssen Sie einplanen. Als Beispiel: Wenn Sie studieren, sollten Sie mit entsprechenden Gläsern einige Minuten vor Beginn der Vorlesung in den Hörsaal gehen. Ansonsten ist die Brille möglicherweise noch zu dunkel, wenn die Veranstaltung beginnt. Nach der Aufhellzeit erscheinen die Gläser so gut wie klar. 

Selbsttönende Brillengläser Kosten

Günstig sind phototrope Gläser nicht. Der deutsche Augenoptikerverband hat ermittelt, dass Sie bei niedergelassenen Optikern durchschnittlich 450 Euro zahlen. Allerdings gibt es vor allem online auch deutlich günstigere Angebote. Diese bewegen sich zwischen 100 und 200 Euro. Gleitsichtgläser sind dabei prinzipiell um etwa 30 Prozent kostspieliger als Einstärkengläser. Der Marktführer ist Transitions und gehört zu der Essilor Gruppe.

Knackpunkt Mobilität: Sind selbsttönende Brillengläser für Autofahrten geeignet?

Hinter dem Steuer sind selbsttönende Brillen keine besonders gute Idee. Gänzlich ungeeignet sind jedoch auch nicht. Augenoptiker empfehlen allerdings, lieber eine Sonnenbrille beim Autofahren zu tragen. Das Problem sind die Scheiben: Diese filtern einen Großteil der UV-Strahlung. Entsprechend verdunkeln sich die Gläser eventuell nicht ausreichend. Wen dies nicht stört, der kann mit einer selbsttönenden Sehhilfe fahren. Wer sensibel auf starkes Sonnenlicht reagiert, sollte allerdings tatsächlich zur Sonnenbrille greifen. Für Nachtfahrten sind selbsttönende Brillen prinzipiell geeignet. Sie können sie bedenkenlos tragen. 

Für wen sind selbsttönende Brillen geeignet?

Selbsttönende Brillen eignen sich für jeden Menschen, der dauerhaft eine Sehhilfe tragen muss. Es ist die perfekte Sonnenbrille mit Sehstärke, die auch im Alltag (im Büro oder Zuhause) verwendet werden kann. Wer beispielsweise nur eine Lesebrille benötigt, profitiert zwar spätestens beim Schmökern am Strand ebenfalls von entsprechenden Gläsern. Hier ist der Alltagsnutzen allerdings nicht derart hoch wie bei ständigen Brillenträgern. Einzurechnen ist lediglich eine gewisse Anpassungsphase: Sie müssen ein Gespür für die Abdunkelungs- und Aufhellungszeiten erhalten. Wenn diese in Fleisch und Blut übergangen sind, sind die selbsttönenden Gläser gerade im Sommer deutlich praktischer als normale oder reine Sonnenbrillen.