Brillenversicherung im Test – Hierauf gilt es zu achten!

Freund, weil du die Augen offen hast, glaubst du, du siehst.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Die Optik der ersten Sehhilfe, dem medizinische Oberbegriff für ein optisches Mittel der Augenfehlerkorrektur, bekam erwiesenermaßen ca. zur Mitte des letzten Jahrhunderts Konkurrenz. Kann die Entstehung der ersten Brille auf das 13. Jahrhundert zurückdatiert werden, liegt die Erfindung der ersten Kontaktlinse erst 70 Jahre zurück. 1948 patentierte Kevin Tuohy eine aus PMMA hergestellte Linse, welche ausschließlich die Hornhaut bedeckt.

Neben der Empfindlichkeit gegenüber dem Körperkontakt eines Fremdkörpers direkt auf dem Auge, ist es oftmals die Materialunverträglichkeit selbst, warum sich viele – trotz geringerer Kosten – statt für Kontaktlinsen für eine Brille entscheiden. Je nach Art und Stärke der Fehlsichtigkeit können jedoch die Preise für eine Brille beträchtlich schwanken, was sowohl dem Material (Kunststoff versus Glas), dem Design als auch dem Know-how des Brillenglases selbst (Einstärkengläser, Gleitsichtgläser, Polarisationsbrillengläser) geschuldet ist. Da die Kosten somit je nach Brillenart beträchtlich schwanken können, steht die Frage im Raum, ob sich eine Brillenversicherung lohnt. Diese Frage muss gestellt werden, da laut heutiger Gesetzgebung, die Krankenkassen Brillen nur bezuschussen, wenn:

  • Kindern bis zum Alter von 14 Jahren werden voll bezuschusst.
  • Zwischen dem 14. und 18. Lebensjahr werden Kosten nur übernommen, wenn die Sehhilfe vom Arzt verschrieben wurde.
  • Ab 18 Jahren wird nur bezuschusst, wer mindestens eine Sehbeeinträchtigung von Schweregrad Stufe 1 nach § 33 Abs. 2 SGB hat.

Das sollten Sie unbedingt über eine Brillenversicherung wissen!

  • Die Brillenversicherung ist eine Zusatzversicherung, welche die Kosten für eine Brille übernimmt!
  • Die Kostenübernahme der Versicherung ist abhängig vom Vertragsgegenstand!
  • Die Brillenversicherung ist ausschließlich eine Absicherung gegen die finanzielle Härte!

Der Sinn und Zweck einer Brillenversicherung!

Circa 30 % aller Bundesbürger leiden heutzutage unter einer Sehschwäche. Diese auch unter dem Begriff Fehlsichtigkeit einzustufende Schwächung der Sehschärfe betrifft:

  • Kurzsichtigkeit (Myopie)
  • Weitsichtigkeit (Hyperopie)
  • Hornhautverkrümmung (Astigmatismus)
  • Alterssichtigkeit (Presbyopie) 

Die Brille als Hilfsmittel zur Korrektur einer Sehschwäche kann beträchtliche finanzielle Kosten aufsummieren, je nach Grad der Sehschwäche. Da der Gesetzgeber Brillen finanziell nur noch bezuschusst, wenn bestimmte Vorrausetzungen erfüllt sind, sollte eine Brillenzusatzversicherung einzig dem Zweck der Absicherung gegen finanzielle Härte dienen. Demnach stellt sich die Frage, für wen sich eine Brillenversicherung überhaupt lohnt.

Für wen lohnt sich die Brillenversicherung?

Technischer Fortschritt steht gleichbedeutend für Innovation, die sich auch in der Augenoptik immer wieder aufs Neue niederschlägt. Eine Brillenzusatzversicherung, die in etwa alle zwei bis drei Jahre die Kosten einer neuen Brille übernimmt, ist somit eine Kalkulation, die neben innovativen Brillengläsern, die stete Abschwächung der Augen im Blick behält. Für wen lohnt sich also eine Brillenversicherung:

  • Alterssichtigkeit, die sowohl Weitsicht als auch Kurzsicht betrifft, verlangt teure Gleitsichtgläser, deren Anschaffungskosten sich über die Jahre schnell aufsummieren können. In diesem Fall lohnt sich eine Brillenversicherung. 
  • Verschlechtert sich die Sehstärke um mehr als 0,5 Dioptrien, hat der Versicherte bei den meisten Brillenversicherungen ein Anrecht auf eine neue Brille.
  • Wer viel Sport treibt, sollte über eine Brillenversicherung nachdenken, da die Wahrscheinlichkeit eines Brillenschadens extrem erhöht ist. Brillenbeschädigungen bei einem Sportunfall werden von den meisten Brillenversicherern übernommen.
  • Modische Trendsetter, die stets mit der Zeit gehen, sollten über eine Brillenversicherung nachdenken, da sich das Design der Brillen stetig ändert.
  • Menschen mit finanziellen Engpässen und Härtefälle sollten über eine Brillenversicherung nachdenken. 

Für wen lohnt sich die Brillenversicherung nicht?

  • Für Kinder und Jugendliche bis zu einem Alter von 18 Jahren gilt: Alle Kosten werden von der Krankenkasse übernommen.
  • Verringert sich die Sehschwäche ab dem Alter von 18 Jahren kontinuierlich, gilt dies als Sehschwächung nach § 33 Abs. 2 SGB und die Kosten werden von den Krankenkassen getragen.
  • Alterssichtigkeit, welche an das zunehmende Alter einer Person gebunden ist, lässt sich relativ günstig mit Lesebrillen und Einstärkenbrillen beheben.
  • Extravagante Brillen, Sonnenbrillen und der Verlust einer Brille werden nicht von den Versicherern übernommen. 
  • Augenoptikerleistungen sowie Facharztbesuche stehen nicht im Leistungsangebot der Brillenversicherer.  

Kosten einer Brillenversicherung

Die Übernahme der Kosten für eine Sehhilfe wurde im Jahr 2004 schlagartig von den Gesetzlichen Krankenkassen aufgegeben und steht seit dem somit nur noch Kindern und Personen mit starker Sehschwäche zur Verfügung. Da die Kosten für eine Sehhilfe beträchtlich variieren können und es zwischen sogenannten einfachen Einstärkengläsern (ab 30 Euro pro Stück) und Gleitsichtgläsern (ab 120 Euro pro Stück) gravierende Preisunterschiede geben kann, die durch Veredelungstechniken nochmals stark variieren können und schnell die 500 Euro Marke erreicht wird, sollte dementsprechend über eine Zusatzversicherung nachgedacht werden. Zumal die Versicherer selbst sich in einem steten Wettbewerb befinden, sodass es bereits Angebote ab circa 6,95 Euro im Monat gibt. Aber Vorsicht! Die meisten Versicherer bieten in ihrem Paket Leistungen an, die nicht sämtliche Kosten der neuwertigen Brille abdecken. Die Vielfalt derzeit auf dem Markt befindlicher Brillengläser gilt es somit zunächst in Erfahrung zu bringen und ob diese sich im Leistungsspektrum einer Versicherung befinden.

Welche Leistungen deckt die Brillenversicherung ab!

Die meisten Brillenversicherer arbeiten mit denselben oder ähnlichen Konzepten, Konditionen und Leistungen, sodass sich etwaige Unterschiede nur im Detail widerspiegeln.

  • Eine Brillenzusatzversicherung lohnt sich oftmals nur bei sehr teuren Brillen.
  • Bei einer Veränderung der Sehstärke größer 0,5 Dioptrien zahlen nahezu alle Versicherungen.
  • Den Verlust der Brille aufgrund eigenen Verschuldens trägt die Versicherung nicht. 
  • Diebstahl und der Bruch der Gläser wird von den meisten Versicherern übernommen.
  • Die Kostenübernahme ist oftmals mit einer Wartezeit bis zu 3 Monaten verbunden.
  • Der durchschnittliche Zuschuss für eine neue Brille beträgt 200 Euro.
  • Für Reparaturen am Gehäuse besteht Kostenübernahme bei den Versicherern.  

Die Anbieter von Brillenversicherungen auf dem Markt!

Die großen Versicherer und Augenoptikerketten, wie Fielmann, Apollo und Hansemerkur bieten in ihrem Portfolio ebenfalls Brillenzusatzversicherungen an. Dabei ist einerseits darauf zu achten, welche Leistungen von den Versicherern übernommen werden und welche zu buchbaren Optionen es für eine Erweiterung der Zusatzversicherung gibt. Die zu buchbaren Leistungen wären in diesem Umfang:

  • Kostenübernahme für einen Heilpraktiker
  • Kostenübernahme bei einer Augenlaser Operation
  • Kostenübernahme beim Wechsel auf Kontaktlinse
  • Kostenübernahme von Spezialuntersuchungen und Behandlungen der Augen

Fielmann Brillenversicherung

Die deutsche Optikerfachkette FIELMANN AG arbeitet eng mit dem deutschen Versicherer HanseMerkur zusammen und bietet in ihrem Portfolio Brillenversicherungen zum sogenannten Nulltarif an. Dabei wird laut dem Optiker, der Anspruch auf eine neue modische Brille sofort nach Abschluss der Versicherung gewährt. Es handelt sich hier im die sogenannte Nulltarif-Collection, dessen Rahmen aus Metall oder Kunststoff besteht sowie aus Einstärkengläsern der Marke Carl Zeiss Vision. Alle Produkte haben eine dreijährige Garantie. Zusammenfassend ergeben sich folgende Punkte:

  • Kostenlose Nulltarif-Gläser, Sehstärkenveränderung mindestens 0,5 Dioptrien
  • Auswahl an 600 Fassungen in der Nulltarif-Collection 
  • Kostenloser Ersatz bei Bruch oder Beschädigung 
  • Anspruch auf eine neue Brille aus der Nulltarif-Collection alle 2 Jahre

Die Prämie für Einstärkengläser beträgt 10 Euro pro Jahr und für Mehrstärkengläser 50 Euro. Bei einer Sehstärkenänderung von 0,5 Dioptrien werden neue Nulltarif-Gläser kostenlos ergänzt. Bei Zuzahlungsbrillen werden zudem bei Einstärkengläsern 15 Euro auf den Kaufpreis sowie bei Mehrstärkengläsern 70 Euro gutgeschrieben. Bei Bruch, Beschädigung oder Sehstärkenveränderung wird bis zu zwei Jahre nach Erwerb eine Sonderleistung bis zu 70 Prozent auf den Kaufpreis gewährt.

Apollo Brillenversicherung

Die Apollo Rund-um-Schutzversicherung wirbt laut Herstellerangaben mit einem Rundumpaket, welches bei Verlust, Diebstahl oder Beschädigung der Brille zum Tragen kommt. Dafür wird ausschließlich eine Selbstbeteiligung bei einer neuen Brille gewährt. Der Rundumschutz ist zwei Jahre gültig und läuft nach Abschluss dieser Zeit aus. Die Betragshöhe der Versicherung wird dem Brillenpreis entsprechend angeglichen und gliedert sich folgendermaßen:

  • Brillenpreis bis 100 Euro – 10 Euro Versicherungsbeitrag 
  • Brillenpreis von 101 bis 200 Euro – 20 Euro Versicherungsbeitrag 
  • Brillenpreis von 201 bis 300 Euro – 30 Euro Versicherungsbeitrag
  • Brillenpreis von 301 bis 400 Euro – 40 Euro Versicherungsbeitrag 
  • Brillenpreis von 401 bis 500 Euro – 50 Euro Versicherungsbeitrag 
  • Brillenpreis von 501 bis 600 Euro – 60 Euro Versicherungsbeitrag
  • Brillenpreis von 601 bis 700 Euro – 70 Euro Versicherungsbeitrag 
  • Brillenpreis über 700 Euro – 80 Euro Versicherungsbeitrag

Fazit: Lohnt sich eine Brillenversicherung?

Wirklich rechnen tut sich eine Brillenzusatzversicherung nur bei Alterssehschwäche, die stetig 0,5 Dioptrien zunimmt. Des Weiteren werden vor allem Gleitsichtgläser durch eine Brillenversicherung aufgefangen. Der technische Fortschritt von heute bietet jedoch auch Augenlaser Operationen an, die steuerlich absetzbar sind. Inwiefern sich der stete Neukauf einer teuren Brille somit lohnt, sollte akribisch nachgerechnet werden